Wenn Fantasie zur Tat wird | Der Fall Michael F.



⚠️ Content Note: In diesem Video werden ein sexuelles Tötungsdelikt und die diesem zugrundeliegenden sexuellen Tötungsfantasien beschrieben.

Im Juli 2008 tötet der Mainzer Geologe Michael F. in den Beelitz-Heilstätten ein 20-jähriges Hobby-Fotomodel. Das Landgericht Potsdam fällt in diesem Fall ein klares Urteil: Es war kein Unglück, sondern Mord. Michael F. führt als promovierter Vorzeigewissenschaftler, Christ und Hobby-Fotograf ein nach außen bürgerliches Leben. Parallel dazu sammelt er Bildmaterial und Geschichten, die zu seinen Fantasien passen, und schreibt selbst Storys, in denen er die sexuell motivierte Tötung von Frauen detailliert beschreibt. Er sucht aktiv nach Frauen, die er im sexuellen Kontext würgen kann. Über ein Internetforum für Hobbyfotografie lernt Michael F. ein 17 Jahre jüngeres Fotomodel kennen und beginnt bald, mit ihr über sexuelle Fantasien zu schreiben. Er stellt sich der 20-Jährigen gegenüber als vertrauenswürdig und BDSM erfahren dar. Dann animiert er sie, mit ihm eine erotische Vergewaltigungs-Geschichte zu schreiben. Schließlich lädt er die junge Frau ein, ihr erstes persönliches Treffen mit einer Übernachtung in einem Ferienapartment zu verbinden, das sich nahe den Beelitz-Heilstätten, einem für Fotoshootings beliebten Lost Place, befindet. Am nächsten Morgen schlägt Michael F. dem noch schlafenden Opfer mit einer Bratpfanne auf den Kopf, erwürgt sie und vergeht sich an der Leiche.
In diesem Video analysiert Lydia, wie die sexuellen Tötungsfantasien von Michael F. über Jahre immer mehr Raum in seinem Leben einnehmen, wobei er die Grenze zwischen Fantasie und Realität zunehmend verschwimmen lässt. Nach seiner Tat bleibt Michael F. dabei, es habe sich um einen Unfall im Rahmen der Ausübung von BDSM gehandelt. Lydia erläutert, warum das aufgegriffene Täter-Narrativ unzutreffend ist und lediglich der Aufrechterhaltung des Selbstbildes von Michael F. dient.
Michael F. wird wegen Mordes und Störung der Totenruhe zu 10 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, wobei das Gericht den Ausführungen des psychiatrischen Sachverständigen folgend eine verminderte Schuldfähigkeit feststellt und die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik anordnet.
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Lydia Benecke studierte Psychologie, Psychopathologie und Forensik. Seit 2009 ist sie als Diplom-Psychologin mit Arbeitsschwerpunkt im Bereich der Gewalt- und Sexualstraftaten tätig. Sie hilft in Der Fall und im Der Fall-Podcast in die Köpfe von Täter*innen zu blicken, deren Psyche zu verstehen und die Taten einzuordnen.

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Host: Lydia Benecke
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Autorin: Riley Dedio
Kamera/Ton: Frank Reichert-Facilides
Schnitt: Riley Dedio
Grafik: Pauline Branke
Redaktion ARD: Sabine Harder (SWR), Achim Schöbel (MDR), Jacqueline Paus (hr)
Eine Produktion der LOOKS Media GmbH für die ARD. In Zusammenarbeit mit SWR, MDR, hr

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49 Comments

  1. Hinter der Fassade eines Vorzeigeakademikers wuchsen gefährliche Fantasien, die in Mord endeten. Lydia erklärt, warum das Unfall‑Narrativ nicht haltbar ist und was wirklich dahintersteckt.🕵‍♀

  2. Ich höre Lydia Benecke unfassbar gerne zu. So gut wie sie dinge erklärt, verstehe ich sofort wie etwas gemeint ist. Toll. Danke für Eure Arbeit – vor & hinter der Kamera.

  3. Vermutlich lauern viele solche Personen in der BDSM- "Community"🤯
    Andererseits, es wird immer wieder versucht, Morde durch "Sex-Unfälle" zu rechtfertigen…..

  4. Hat nicht jeder einen kleinen Fetisch? Sind wir nicht alle erst vom Äußeren angezogen? Schöne gepflegte Füße sind für mich auch wichtig – aber die nicht die Präferenz. Mit BDSM kann ich gar nichts anfangen. Wieso schlagen oder geschlagen werden, wenn ich einen Menschen liebe? Wieso auch mit einer mir völlig fremden Frau für Geld Verkehr haben? Ich habe mal mit einem Art "Stammgast" 50 € Eintritt für einen FKK Club ausgegeben. Gehörte früher "Prinz" Markus. Das Essen und die Wellness war gut. Die Gespräche mit den jungen Frauen auch schön. Aber aufs Zimmer mit einer Frau – vielleicht 20 Jahre jünger als ich – völlig ausgeschlossen. Das könnte ich einfach nicht. Nennt mich Schlappschwanz, aber das könnte ich nicht.

  5. Solche sexuelle Gelüste IMMER nur in darauf spezialisierten Clubs ausleben. Dort kennt man die Spielregeln, und sie werden in seriösen Clubs im grossen und ganzen auch eingehalten. Nie, aber auch wirklich nie und unter keinen Umständen auf privater Basis Kontakte suchen. Das Risiko ist einfach zu gross.

  6. Danke für die Schluss Worte mit dem Hilfestellung für Personen, die solche Phantasien haben. Hilfe, anonym, mit Schweigepflicht und kostenlos ist ein sehr wichtiges Mittel, um Leid für unbeteiligte zu verhindern!

  7. Ich stimme dem Fazit zu, an das Verantwortungsgefühl von Menschen mit solchen Neigungen zu appellieren, damit diese Strategien erlernen, diese im Griff zu behalten. Schwierig dürfte es leider bei denen werden, die auch noch ausgeprägte narzisstische Persönlichkeitsmerkmale aufweisen. Da fehlt ja leider in der Regel die Bereitschaft, eigene Schwächen anzuerkennen und Verantwortung zu übernehmen.

  8. Man kann also exakt die gleichen Techniken und Praktiken Verwenden und der Unterschied von Einvernehmen und Zwang macht diese Sache dann laut Beneke zu etwas, dass garnichts miteinander zu tun hat und etwas völlig anderes ist? Das macht doch keinen Sinn. Vor allem, weil die Grenzen bei den "einvernehmlichen" Praktiken durchaus fließend sein können. Was meint ihr wie oft Menschen an sowas beteiligt sind, die an psychischen Störungen erkrankt sind und sich dann in erschütternder Weise immer wieder in Situationen bringen (oder hinein manipuliert werden) in denen sie bei diesen Praktiken traumatisiert werden? Mir ist selbst so ein Fall bekannt, bei dem eine Frau erst später merkte was sie da eigentlich tat, wie sehr sie sich hat misbrauchen lassen und wie schlimm sie sich eigentlich immer wieder retraumatisiert hat..
    Ich behaupte die Mehrzahl der Frauen, die in Hardcore BDSM P*rn*s zu sehen sind, sind psychisch krank.

  9. Dieser Michael F. war an der Uni zurecht sehr beliebt. Er hat mir noch wenige Tage vor meiner mündlichen Diplomprüfung unfassbar wichtige Tipps zur Einordnung von Handstücken gegeben.

  10. Danke für die sehr klaren, guten Erklärungen zu einer Szene, die sich sehr weit weg von meinem Empfingen bewegt. Dieser schreckliche Fall rund um einen ganz schwer gestörten Menschen ist dafür gut geeignet. Es bleibt nur zu hoffen, dass es dem intelligenten Täter nicht sofort gelingt, seine „Läuterung“ vorzutäuschen.

  11. Dieses Video bietet eine sehr wichtige und sachliche Analyse, die zeigt, wie gefährlich es ist, wenn Täter versuchen, schwere Gewaltverbrechen unter dem Deckmantel von einvernehmlichem BDSM zu legitimieren. Besonders wertvoll ist die klare Abgrenzung der Expertin Lydia Benecke zwischen der BDSM-Subkultur, die auf Konsens und Verantwortung basiert, und den pathologischen Tötungsfantasien des Täters. Dass hier nicht nur der Fall aufgearbeitet, sondern auch aktiv auf Hilfsangebote für Menschen mit potenziell gefährlichen Impulsen hingewiesen wird, macht den Beitrag zu einem wichtigen Präventions-Tool. Ein sehr reflektierter Umgang mit einem extrem schwierigen Thema.

  12. Ekelhafter Kerl 🤢🤮😡🤬 Ach,ein Mensch kann sterben wenn ich ihm erst eine Bratpfanne auf den Kopf schlag und dann Minutenlang würge…? Er wusste ganz genau was er macht…arme Anja 😢 RIP 🙏🌹

  13. Die letzten 5 Sätze von Lydia sind gold wert. Medialen Einfluß nutzen, um Menschen mit Gewaltphantasien, vom Ausleben dieser, abzuhalten.
    Prävention ist hier das wichtigste Mittel. Danke👍

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